Marktlogik

Wenn Rendite nur noch für jene funktioniert, die sie nicht brauchen

Warum professionelle Immobilieninvestoren selten die höchste Rendite suchen und weshalb gute Anlageimmobilien mit Substanz, Cashflow und langfristiger Tragfähigkeit beginnen.

13. Juli 2026Kategorie: MarktlogikLesedauer: 6 Minuten

Die erfolgreichsten Immobilieninvestoren suchen selten nach der höchsten Rendite.

Sie suchen Stabilität, Planbarkeit und Werthaltigkeit. Rendite ist nicht das Ziel. Sie ist das Ergebnis guter Entscheidungen.

Genau hier beginnt eine stille Verzerrung des Schweizer Immobilienmarkts: Nicht alle Käufer spielen dasselbe Spiel. Und nicht jede Rendite, die auf Papier attraktiv wirkt, ist in der Realität gesund.

In den vergangenen zehn Jahren durfte die Geschäftsleitung von Mbreti Transaktionen von über CHF 423 Mio. begleiten und Projekte von der ersten Idee bis zur Realisierung mitentwickeln. Daraus bleibt eine einfache Erkenntnis: Gute Entscheide beginnen nicht mit der Immobilienrendite, sondern mit der Frage, wie belastbar ein Objekt wirklich ist.

Warum Rendite trügt

Rendite ist eine wichtige Kennzahl. Aber keine Wahrheit. Sie ist eine Momentaufnahme aus Miete, Preis, Kosten, Annahmen und Risiko.

Gerade bei Anlageimmobilien kann eine hohe Anfangsrendite vieles bedeuten: attraktiver Einstieg, aber auch aufgeschobener Unterhalt, Leerstandsrisiko, schwache Lage oder zu optimistische Mieten. Ein Mehrfamilienhaus kann rechnerisch überzeugen und trotzdem zu wenig Reserve haben.

Was im Markt oft als Renditeliegenschaft Schweiz gesucht wird, ist selten nur Rendite. Es geht um Cashflow, Mieterqualität, Sanierungszyklen, Baukosten, Regulierung, Finanzierung, Mikrolage und Wiederverkaufbarkeit.

Wer ausschliesslich Rendite kauft, kauft meistens Risiko.

Ein Family Office akzeptiert tiefere Anfangsrenditen, wenn Lage, Substanz und Kontrolle stimmen. Eine Pensionskasse sucht planbare Zahlungsströme, tiefe Volatilität und ein Investment Property, das zur Bilanzlogik passt.

Für einen Immobilieninvestor in der Schweiz zählt deshalb nicht nur heutiger Ertrag. Entscheidend ist, wie robust dieser Ertrag unter höheren Unterhaltskosten, strengeren Vorschriften und anspruchsvollerem Mietermarkt bleibt.

Institutionelle Anleger zahlen deshalb teilweise Preise, die andere Marktteilnehmer kaum gesund abbilden können. Sie kaufen Sicherheit, Allokation und langfristige Planbarkeit. Der Preis wird zur Referenz: für Boden, Planung, Baukosten, Sanierung und irgendwann für die Miete.

Preis ist nicht Wert

Ein bezahlter Preis ist ein Fakt. Aber er ist nicht automatisch ein gesunder Marktwert.

Wir wollen bezahlbaren Wohnraum, akzeptieren aber Bodenpreise, die ihn fast unmöglich machen. Wir wollen energetische Sanierungen, unterschätzen aber die Kosten. Wir wollen Qualität, rechnen Projekte aber so eng, dass kaum Qualität entstehen kann.

Das haben wir zu oft gesehen: Auf dem Papier ist ein Renditeobjekt effizient. In der Realität entstehen Bauprobleme, Kompromisse, Nachträge und zu wenig Reserve.

Eine nachhaltige Immobilieninvestition verlangt deshalb mehr als eine Zielrendite. Sie verlangt den Blick unter die Mieterliste und unter das Bewertungsgutachten.

Das Praxisbeispiel

Ein anonymisiertes Praxisbeispiel aus dem Kanton Aargau zeigt das.

Es ging um ein zentral gelegenes, gut angebundenes Neubauprojekt. Die Grundrisse waren stark, der Wohnungsmix vernünftig, auch für Familien. Die Mieten waren ambitioniert, aber nicht absurd. Sie waren nicht auf maximale Papieroptik gedrückt, sondern auf ein Niveau, das im Alltag funktionieren sollte.

In der institutionellen Sicht ist die Anlagekostenbasis der Verkaufspreis für den Forward Deal, nicht die interne Projektkalkulation. Bei rund CHF 67 Mio. Verkaufspreis und rund CHF 2.7 Mio. Jahresmietertrag liegt die Bruttorendite bei etwa 4.0%. Für viele institutionelle Anleger war das am Standort nicht gut genug. Das Projekt scheiterte nicht an seiner inneren Logik, sondern an der Schublade des Standorts.

Wir waren in diesem Prozess auf der Verkäuferseite. Deshalb ist dieser Abschnitt bewusst Selbstkritik. Wir haben die Qualität gesehen und uns zu stark auf sie verlassen: Grundrisse, Wohnungsmix, langfristige Vermietbarkeit. Zu spät haben wir hart genug geprüft, ob der institutionelle Käufermarkt dieses Produkt am konkreten Standort überhaupt aufnehmen würde.

Die Lektion war klar: Ein gutes Immobilienprojekt ist nicht automatisch ein investierbares Produkt. Seither trennen wir konsequenter zwischen baulicher Substanz, langfristiger Marktlogik und Kapitalmarktfähigkeit. Wenn Akzeptanz nur über unrealistisch steigende Mieten erreichbar wäre, ist das kein Vertriebsproblem. Dann ist es ein Qualitäts- und Nachhaltigkeitsthema.

Grafik: Mehr Zielrendite erzeugt bei gleicher Kostenbasis zusätzlichen Mietdruck
Die Rechnung ist bewusst einfach: Wenn die Kostenbasis gleich bleibt, muss eine höhere Zielrendite irgendwoher kommen. Meistens landet sie beim Mietzins.

Natürlich hätte man die Rechnung schöner machen können. Bei 4.5% Zielrendite wären rund CHF 315'000 zusätzlicher Jahresmietertrag nötig gewesen, bei 5.0% rund CHF 650'000.

Rein rechnerisch auf 99 Wohnungen verteilt, sind das schnell mehrere hundert Franken pro Wohnung und Monat. Ein Excel-Modell nennt das Renditeverbesserung. Der Mietermarkt nennt es Überdehnung.

Das ist der zynische Teil: Man kann ein gutes Projekt kaputt rechnen, indem man es für den Kapitalmarkt hübscher macht. Die Rendite wirkt sauberer, das Produkt wird ungesünder. Nicht wegen der Architektur, sondern wegen des wirtschaftlichen Drucks.

Grafik: Projekt-Substanz, institutioneller Filter und Papier-Reaktion im Vergleich
Genau hier liegt der blinde Fleck: Der Status quo ist schnell bewertet. Die langfristige Tragfähigkeit eines Standorts verlangt mehr Arbeit.

Fazit

Der Markt leidet an zwei Seiten derselben Schwäche: Zu viel Kapital akzeptiert zu tiefe Renditen für vermeintliche Sicherheit. Gleichzeitig wird echtes Potenzial übersehen, weil es nicht in den Status quo passt.

Wir müssen wieder in gesunden, nachhaltigen Renditen denken. Eine nachhaltige Rendite ist kein Makel. Sie ist der Puffer für Unterhalt, Sanierung, Risiko, Leerstand, Regulierung und Realität.

Vielleicht besteht die Kunst des Investierens nicht darin, die höchste Rendite zu finden. Sondern jene Immobilieninvestition, bei der man auch in zehn Jahren noch ruhig schlafen kann.

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